Verfasst von: apeat | August 16, 2007

Im Zoo weht ein Hauch von Altenheim

Praktikum im Tierpark Hamm bestimmt nun seit 48 Stunden meine Tagesordnung. Was tut man nicht alles für einen Uni-Schein. Von der anfänglichen Idee, ihn mal eben durch ein Praktikum an Stelle einer Exkursion zu erwerben wurde ein hin und her von Berwerbungen, Vorstellungsgesprächen und Absagen. In Zeiten von unzähligen Tier- und Zoosendungen im Fernsehen ist die Zahl an Bewerbern ins unermäßliche gestiegen.

Aber nicht so in Hamm. Und nun trifft man mich dort täglich an. Es ist einer von diesen im wahrsten Sinne des Wortes: ‘Scheißjobs’. Also zu diesen wahrhaften ‘Scheißjobs’ zählen eben Berufe, in denen mit Scheiße, also Fekalien gearbeitet wird. Zum Beispiel der Beruf der Klofrau, ohne den jetzt denunzieren zu wollen.

Wie ich nun gelernt habe, besteht 80% des Tagesablaufes eines Tierpflegers aus Scheiße. Die übrigen 20% finden dann Einzug in die bereits oben erwähnten Fernsehsendungen. Nichts gegen die Sendungen an sich, sie haben den Stand des Tierpflegers durchaus wieder ins öffentliche Interesse gerückt und spieglen den Beruf positiv wieder. An die Realität kommen sie jedoch nicht hunderprozentig heran.

Von diesen Sendungen unberührt und ungeblendet war mir in etwa klar worauf ich mich eingelassen habe: Gehege kehren. Gehege fegen. Gehege schrubben. Gehege abspritzen. Putzen, wischen, bürsten, kehren, harken, scheuern, schaufeln und so weiter und sofort. Nicht, dass das hier noch überhand annimmt. Aber ehe es nun zu schattig auf der Schattenseite des Tierpflegers wird, hier ein paar Sonnenstrahlen: Man füttert natürlich auch und streichelt… und streichelt…. und streichelt, knuddelt und krault.

Erste Kontakte mit Zebra, Nasenbär und Co verliefen äußerst positiv. Negativ ist dieser ‘Nimm mich mit nach Hause’-Effekt, den viele Tiere auslösen. Aber ein Zebra passt definitiv nicht in meinen Kofferraum. Und dieser sibirische Tiger der in Hamm ist, ist ein wahrhaft imposantes Geschöpf. Aber alles andere als Zahm. Das bekommt man hinter den Kulissen mehr zu spüren, als jeder Zoobesucher der am Gehege vorbei spaziert. Im großen und ganzen ist es aber ein Erlebnis den Tieren so nah zu sein. Also richtig nah. Näher als normal… also so wie… ich mein, der Tiger, der auf den Namen Jonas hört, hat eine Schulterhöhe von nem guten Meter. Und ist etwas über 2m lang. Und dann stellt der sich einfach auf seine Hinterläufe um sich sein Essen was ins Geäst gelegt wurde, runter zu holen… beeindruckend. Man kommt sich daneben so winzig vor. Ohne Gitter dazwischen möchte ich ihm nicht guten Tag sagen. Aber auch mit Gitter darf man sich nicht in absoluter Sicherheit wiegen. Anlehnen, anfassen, zu nahe dran stehen ist tabu. Jonas beisst auch ins/durchs Gitter.

Aber an dieser Stelle will ich nicht weiter abschweifen. Weitere Zooerlebnisse folgen in 2 Wochen, wenn das Praktikum rum ist. Bis dahin kann ich auch sämtliche Tierarten im Zoo mit verbunden Augen an Hand des Geruchs ihrer Exkremente erkennen. Irgendwie auch eine Idee für Wetten daß. Ich meine natürlich Wetten dass! (Die neue Rechtschreibung ist ja jetzt amtlich) Aber dazu ist noch zu sagen: Es gibt solche und solche Tiere. Also solche die besonders viel Dreck machen, oder besonders stark…Einfluss auf die Umgebungsluft nehmen, wenn ihr wisst was ich meine…und solche die relativ reinlich sind. In dieser Hinsicht ähnelt die Wild- der Hauskatze.

Was das nun mit dem Altenheim zu tun hat? Nun mit den Tierpflegern am Frühstückstisch sitzend, erinnerte mich das ganze irgendwie an meine Zivildienstzeit. Statt Stationsschwestern oder Stationspflegern sind es eben Tierpfleger. Statt Pieper gibt es Funkgeräte. Und statt Omas und Opas gibt es eben Tiere. Die aber genauso gefüttert, beschäftigt und vorallem saubergemacht werden müssen. Das gerenne und getue kommt aber der Atmosphäre irgendwie nahe und bringt mich zum schmunzeln.

Über meinen Zivildienst lässt sich im nachhinein sagen, dass es kein ‘Scheißjob’ war. Was ich nach dem Praktikum über den Zoo sage, ich weiss noch nicht. Man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben.

Muss jetzt erstmal unter die Dusche, irgendwas müffelt hier… ;)


Antworten

  1. Na da bin ich mal gespannt, wann ich dich das erste Mal auf ARD, ZDF oder VOX zu sehen kriege. :mrgreen:
    Ich habe gehört, man sollte sich vor den Affen in Acht nehmen, die werfen gerne mal mit ihren Exkrementen. Dazu fällt mir immer der Film „Madagaskar“ ein:

    Affe 1: „Oh, heute Abend tritt Hillary Clinton in Times Square Theater auf.“
    Affe 2: „Uh Uh Ah?“
    Affe 1: „Natürlich werden wir sie mit unseren Ausscheidungen bewerfen!“

    In diesem Sinne, man riecht sich :mrgreen:

  2. du solltest wirklich auf die affen aufpassen.
    Als ich mal mit meiner Familie im Serengeti Park war, sprang so ein Affe erstmal dreist auf die Schulter meines Bruders und wollte nimmer gehen… also pass auf die viecher auf, die sind gemeingefährlich.

  3. Ach hört mir auf ihr zwei!

    Ja, Affen sind wirklich keine guten Zeitgenossen. Man kann noch froh sein, wenn sie einen nur mit ihrem Kot bewerfen. Das ist wenigstens kein spitzer, scharfer Gegenstand! Hinzu kommt, dass sie ja immer als Gruppe operieren und jeder Angriff im kollektiv durchgeführt wird.
    Man mag es sich kaum vorstellen, dass solch abgrundtief böse Geschöpfe unsere nächsten Verwandten seien sollen. So hinterhältig und gemein wie die sind.

    Tja… genauso wie der Mensch eben auch ist.

  4. Ich wollte gerade sagen – das klingt doch verdammt nach Menschen :)

    Jedenfalls viel Spaß da beim… nunja… putzen, schrubben und wegräumen… und putzen… und putzen^^

  5. [...] gbgunman, mrcbeat, Tjeika, Pottsy und [...]


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