Es hat was.
Doch, muss ich schon sagen.
Nicht schlecht.
Da liegt man einfach mal mitten im Dezember am Strand und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Viel besser als der Uni-Alltag. Viel besser als die heimische Kälte. Gut was fehlt ist die Weihnachtsstimmung. Kein Schnee. Kein Eis. Kein Glühwein. Stattdessen mit Lametta behangene Palmen und blinkender Firlefanz so weit das Auge reicht. Aber wie kommt man eigentlich dazu, mitten im Semester nach Miami zu fliegen. Nun, ganz einfach. Man lässt alles stehen und liegen. Fragt bei Kommilitonen höflich an, ob sie einen eintragen. Versucht als nächstes auf die Schnelle einen Reisepass zu organisieren. Mit biometrischem Foto und Fingerabdrücken, also diesem ganzen … Und dann setzt man sich in einen Flieger, steigt nach doofen 11 Stunden, bei 30° wieder aus. Hauptsache die Frisur hält!
Auf den Flug will ich eigentlich nicht näher eingehen, außer, dass ich eine neue Gefahr entdeckt habe. Terroristen und Triebwerksausfall sein schon schlimm. Betrunkene Mitreisende sind schlimmer. Aber es war erheiternd, wie die FlugbegleiterInnen sich mit denen auseinander gesetzt haben.
Welcome to Miami!
Miami selbst, also Miami Downtown ist nun keine Schönheit. Und die Polizeiwache sieht so gar nicht aus, wie die bei CSI. Das Art Deco Destrict dagegen ist umso schöner. Und Barbara Becker wohnt auch nicht schlecht. Aber sie gehört ja auch zu denen, denen ein ‘güldener Hahn’ im Bad nicht mehr reicht: “ Andere Leute haben ja Wasserhähne aus Gold in ihrem Badezimmer, deshalb wollte ich welche aus Kristall haben.“ Ich bin da nicht so. Bei mir würde sich ja eh wenn nur Platin im Bad anbieten.
Die meiste Zeit hab ich mich aber am ‘La Playa De Varadero IV‘ aufgehalten. Irgendwo entlang der Collins Ave, Sunny Isles Beach. Gleich am ersten Morgen war über den Krach vom Strand erschüttert und entsetzt. Die fahren da mit Baggern lang, um den Sand glatt zu streichen. Jeden Morgen ist der Strand frisch geharkt. Ein Albtraum für jedes Kleinkind. Kann es doch an seiner Sandburg nicht weiter bauen. Überhaupt denken die Amerikaner irgendwie immer in etwas größeren Dimension. Vom Supermarkt bis zur Shopping mall. Der Plan war einfach. Was braucht in einer Woche Urlaub groß an Frühstück? Ne Packung Cornflakes und ne Flasche Milch reichen da völlig. Gut, es gab dann etwa 10 Kilo Cornflakes und 10 Liter Milch im Kanister. Kleinere Mengen gab es gerade nicht. Da sollte auch in den nächsten Tagen dazu führen, dass alles was es zu Mittag oder zu Abend gab, sehr fettreich oder irgendwie über-portioniert erschien. Mein Favorit: All You can eat buffet! Da gabs schließlich Salat. Also nicht nur diese Scheibe im Hamburger sondern richtigen Salat. Und wisst ihr was? Die Salatbar, echt! Die war immer leer! Da brauchte man sich nie anstellen. Ganz anders beim Nachtisch. Da halten sich die Gäste nicht mal mehr an die vorgegebenen Schälchen sondern hauen sich das Eis gleich in die Suppenschüssel. Kein Wunder, dass die anschließend solche Probleme haben, sich in die Bank zu quetschen. Selten kann man so gut die Korrelation zwischen Qualität und Quantität des Essens auf den Körperumfang sehen. Alters unabhängig! Interessant auch das Bild ganzer Seniorentrupps, die sich dazu entschlossen haben, ihren Lebensabend am Strand zu verbringen und zum Essen gleich ihr Pflegepersonal mitbringen, welches den Teller trägt und den Tropf neben her schiebt. Nichts gegen Senioren, die waren ja ok. Ist doch schön sich am Strand zur Ruhe zu setzten. Ich fand ja auch ehe das Bild der Krankenschwester erschreckender.
Aber um auf das Thema Rente zu kommen. Von der ich noch weit entfernt bin, so hab ich doch viel für mein späteres Leben gelernt. In dieser Woche der jüngste gewesen zu sein, war nicht immer leicht. Da hockt mit in der Bar zwischen Deutschen, Kanadiern und Iren. Man erhofft sich geradezu, dass vielleicht der Barkeeper Amerikaner sein könnte, aber dieser bezeichnet sich selbst lieber als Latino und so verwundert es nicht, dass man mit ‘Heil Hitler’ auf ein Bier begrüßt wird. Ein Kanadier, ehemals Mercedes und BMW Autoverkäufer erklärte mir sogleich, dass er unbedingt mal nach Deutschland will. Denn dort gibt es ja Stellenweise keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn. Und Ira und Mich, eigentlich Michael und Irene, leben schon seit Jahren in Miami, kommen ab und an nach Deutschland, wenn eins ihrer Kinder Geburtstag hat. Ich weiß nicht. Urlaub machen da ist schön. Meinen Lebensabend verbringen? Da müsste ich mich dann mit den Hurrikane Evakuierungsrouten vertraut machen, ich glaub nicht, dass ich das auf meine alten Tage dann noch könnte. Außerdem hab ich mir da sagen lassen, das Thailand wesentlich billiger und die Frauen wil… seien. Weshalb der kanadische Ex-Autoverkäufer auch mehrere Monate im Jahr dort verbringt. Wann er das letzte mal in der Heimat war, weiß er selbst auch nicht mehr so genau.
Also nix da auswandern nach Florida. Thailand heißt das nächste Ziel? Da ziehe ich Europa vor. Zum shoppen ist es ja in Amerika toll, gerade was den Dollarkurs betrifft, aber man läuft sich in den Malls die Füße kaputt. Und dann diese Kontrollen am Flughafen. Da lobe ich mir doch Schengen! Hier muss ich keine so komischen Fragen beantworten wie im Formular I-94W.
Nichts desto trotz, in 15 Jahren geht es wieder hin. Mal schauen, ob sich daraus eine realisierbare Tradition entwickelt. 9, 24, 39. Meine Cousine besteht ja drauf.